NBAK08: Warum Agilität nicht tot ist

"Agilität ist tot". Diese These flammt regelmäßig auf. Ich halte sie für grundfalsch. Was wirklich gescheitert ist: Fake Agile, Dark Agile und die kommerzialisierte Komplexität. Warum das Label "Agile" verbrannt sein darf, das Handwerk aber gerade erst anfängt.

Überblick

Wenn Agilität angeblich tot ist, was ist dann die Alternative? Zurück zum Wasserfall? In dieser Folge nehme ich die "Agile ist tot"-Debatte auseinander und zeige, dass sich der berechtigte Frust nicht gegen den Kern von Agilität richtet, sondern gegen ein Zerrbild.

Zusammenfassung

Drei Muster befeuern die Frustration: Fake Agile (Methode ohne Verständnis der Basis), Dark Agile (agiler Deckmantel über weiterhin top-down gesteuerter Kontrolle) und die Kommerzialisierung, die schlanke Prinzipien mit immer mehr Komplexität überlädt. Dazu kommt die Scrum-Zwickmühle: Seine Einfachheit macht ihn erfolgreich und verleitet dazu, alle Rituale zu befolgen, ohne agil zu sein. Agilität lebt dort, wo Time-to-Market und Cost of Delay zählen; sie stirbt, wo sie zum Produkt für alle wird. Der Weg nach vorn heißt Back to Basics: das Label loslassen und vom Handwerk sprechen: Agiles Arbeiten als Iteration und Feedback.

Shownotes

  • Du erreichst mich hier
  • Diese Folge ist Teil einer Serie "No Bullshit Agile Kompakt". Eine Übersicht über alle Folgen findest du hier
  • Die Work-Feedback Loop
  • Buch "Agiles Arbeiten in der Praxis": hier
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Transkript

 Hallo und herzlich willkommen bei NoBullshit Agile Compact, mein Name ist Thomas.
 In der letzten Folge habe ich über das Agile Manifest als ökonomische Strategie gesprochen.
 Da ging es mir darum, das Agile Manifest mal ein bisschen anders zu beleuchten.
 Wenn dich das interessiert, den Link und alle weiteren Links findest du wie immer in den Shownotes.
 Heute geht es als Abschluss zu dem ersten Teil von NBA Compact, das Fundament tatsächlich darum nochmal zu beleuchten,
 warum ich denke, dass es Quatsch ist, wenn Leute behaupten, Agilität sei tot, agiles Arbeiten ist tot.
 Das halte ich für grundsätzlich mal falsch.
 Ich glaube, was tot ist, und das ist auch schön so, ist das Zerrbild darum, was denn agiles Arbeiten ist.
 Also sowas wie Fake Agile oder Dark Agile, das Thema Kackokult, über das ich hier gesprochen habe,
 und auch die Kommerzialisierung rund um agiles Arbeiten.
 Und ja, es mag sein, dass dieses Label verbrannt ist, aber ich glaube, das Handwerk lebt.
 Iteration, Work und Feedback.
 Es geht mir um Back to Basics.
 Gut, wie kommt der Eindruck zustande, warum sagen Leute, Agilität oder agiles Arbeiten ist tot?
 Ja, wie gesagt, ich glaube, es sind drei fundamentale Dinge.
 Das erste ist Fake Agile.
 Wir müssen agil werden und dann nutzen wir Scrum als eine Art Einstiegsdroge,
 weil das eben einfach und transparent ist.
 Aber ohne die Basis, ohne das Verständnis dahinter, Work und Feedback, wir müssen schnell auf den Markt reagieren,
 ja, verschwindet das alles.
 Und wir haben halt dieses Fake Agile.
 Wir haben Rituale und verstehen nicht, warum wir diese Rituale überhaupt haben.
 Das heißt übrigens auch nicht, dass Scrum tot ist.
 Manchmal liest man auch das, aber für viele ist einfach Scrum gleich mit agilem Arbeiten.
 Aber das stimmt natürlich auch überhaupt nicht.
 Eine Methode, wie Scrum oder wie kann man, die implementiert ja nur die fundamentalen Dinge von agilem Arbeiten.
 Die zweite mögliche Ursache, die deutlich schlimmer ist in meinen Augen, ist tatsächlich Dark Agile.
 Also wir haben so einen Deckmantel, den haben wir uns bewusst gewählt.
 Der Deckmantel lautet agiles Arbeiten.
 Der Deckmantel lautet dann vielleicht im Detail Scrum.
 Und jetzt nutzen wir diesen Deckmantel, um top-down doch alles zu steuern, bis hin zum Micromanagement.
 Wir planen Wochen über Wochen oder Monate Sprints voraus, weil wir ja eine Velocity haben.
 Wir nutzen das Daily, um Leuten im Prinzip die To-Do-Listen ins Heft zu kleben, sage ich mal, in die Story zu schreiben.
 Und du machst das und du machst das.
 Das ist dann halt bewusst den Deckmantel gewählt, agiles Arbeiten, um dann doch nach innen hin eher Micromanagement zu machen, um nach außen hin vielleicht moderner zu wirken, sage ich mal.
 Und die dritte große Ursache meiner Meinung nach ist die permanente Kommerzialisierung rund um alles, was agiles Arbeiten anbelangt.
 Also, Zertifikatswut fällt mir da ein.
 Es werden immer und immer mehr und es wurden immer und immer mehr Zertifikate erfunden, die man ja Leuten wunderschön verkaufen kann.
 Oder Coaching-Flut.
 Nichts gegen agile Coaches.
 Es gibt ganz viele da draußen, die einen ganz tollen Job machen.
 Aber es war halt auch so oder ist zum Teil auch noch so, dass viele sich einfach diesen Titel auch gegeben haben und denen ging es nicht darum, dass ein Produkt besser entwickelt wird oder ein Team sich besser entwickelt, sondern denen ging es eigentlich nur darum, ja, einen Coaching-Job zu haben mit diesem Deckmantel, agiles Arbeiten.
 Das sieht man übrigens wunderschön, dass ganz viele dieser Leute auf einmal AI-Coach sind.
 Auch ganz lustig.
 Ja, und diese Frustration, die da drin steckt, agiles Arbeiten ist tot, die ist total verständlich und auch berechtigt.
 Aber ich glaube eben einfach, es geht hier um dieses Zerrbild, die Disjungtheit zwischen was Leute denken, was agiles Arbeiten ist und was es eigentlich im Fundament ist.
 Ja, ein bisschen herausheben, vielleicht an dieser Stelle tatsächlich noch mal ganz kurz diese Scrum-Zwickmühle, habe ich es genannt.
 Wie gesagt, für viele ist Scrum und agiles Arbeiten deckungsgleich.
 Und das Schöne an Scrum, die Einfachheit, das klare Playbook, ist natürlich auch ein bisschen das Problem von Scrum.
 Also man wendet das an und denkt, ist agil, aber es gehört halt deutlich mehr dazu, als den Scrum-Guide anzuwenden.
 Und deswegen schimpfen viele sofort auf Scrum, weil das der erste Blick auf agiles Arbeiten ist.
 Aber lasst mal das arme Scrum in Ruhe.
 Wenn man das richtig macht, ist das tatsächlich eine ganz tolle Methode.
 Und ja, das trägt halt leider zu diesem Zerrbild bei.
 Wann lebt jetzt agiles Arbeiten und wann ist es vielleicht wirklich tot?
 Agiles Arbeiten fühlt sich da wohl, wo es darum geht, sowas wie Time-to-Market und Cost-of-Delay haben einen großen Wert.
 Ich muss auf einem Markt schnell agieren oder reagieren.
 Es hat dann einen Wert, wenn ich in einem komplexen Umfeld unterwegs bin.
 Wenn ich halt nicht so genau weiß, wie kann ich ein Ziel erreichen.
 Und unabhängig von der Methode ist das zumindest für mich die einzige Möglichkeit, in so einem Umfeld etwas zu entwickeln.
 In meinem Fall rede ich ja immer von Software entwickeln.
 Dort, wo das alles gar nicht gegeben ist, dieser Rahmen.
 Also da müsst ihr auch nicht agil arbeiten.
 Und da agiles Arbeiten anzuwenden, ist vielleicht auch nur ein Overhead.
 Für mich, und das hatte ich Ende letzten Jahres auch schon mal in einem Blogpost geschrieben, ist es halt so, ich habe so das Gefühl, wir sind jetzt wirklich an einem Punkt einfach auch angelangt, wo wir dieses Label mal loslassen müssen.
 Und wo wir mehr ins Handwerk gehen müssen.
 Wir müssen eben uns klar machen, worauf kommt es wirklich an.
 Und der Kern des Ganzen ist dieser Zyklus Work und Feedback über alles im System, über alles in der Organisation.
 Und deswegen habe ich diese Work-Feedback-Loop tatsächlich auch mal zusammengeschrieben.
 Und damit wird es dann in der nächsten Folge tatsächlich auch weitergehen, um diesen Begriff agiles Arbeiten einfach mal nicht mehr benutzen zu müssen, um gedanklich mal wegzukommen von dem, was Leute alles reininterpretieren in diesen Begriff.
 Und ja, das soll tatsächlich auch schon der Abschluss sein.
 Mir geht es eben, wie gesagt, darum, back to the basics, zurück zum Handwerk.
 Überlegt doch mal, was macht für euch agiles Arbeiten aus?
 In welchem Umfeld seid ihr tätig?
 Dass das Label verbrannt ist, ist vollkommen okay.
 Aber das heißt noch lange nicht, dass das Gedankenmodell dahinter kaputt ist.
 Und das ist eine wundervolle Einleitung im Prinzip schon für die nächste Folge.
 Wie gesagt, ich habe ja mal so ein bisschen mein Denkmodell zusammengeschrieben, die Work-Feedback-Loop.
 Und in den nächsten Folgen würde ich die jetzt auch ein bisschen klein hacken.
 Und ganz konkret fangen wir eben mit den Grundlagen Work- und Feedback in der nächsten Folge an.
 Was ich dir mitgeben kann, du kannst dir gerne mal ein bisschen dein Umfeld angucken.
 Was machst du?
 Wo ist deine Unternehmen unterwegs?
 In was für einem Markt?
 Und überleg doch mal, was wäre denn wirklich eine Alternative zum agilen Arbeiten?
 Nicht zu Scrum oder so, sondern zu dem, was agiles Arbeiten ist.
 Und ja, das soll es dann tatsächlich für heute auch schon gewesen sein.
 Ich hoffe, du konntest ein bisschen was mitnehmen.
 Wie immer freue ich mich auf dein Feedback.
 Und ansonsten sage ich, ich habe noch eine ganz tolle Woche.
 Und bis zum nächsten Mal.
 Ciao, ciao.

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