NBAK06: Rituale ohne Seele - Cargo Cult Agility

Dailys, Boards, Backlogs und trotzdem fühlt sich alles mühsam an? Dann steckt ihr vielleicht in einer Cargo Cult Agility: Die Form ist perfekt nachgeahmt, die Funktion fehlt. In dieser Folge geht es um die Symptome agiler Scheinwelten und um die eine Frage, die jedes Ritual bestehen muss.

Überblick

Der Begriff Cargo Cult stammt von Inselbewohnern, die nach dem Krieg Landebahnen und Tower aus Holz nachbauten, in der Hoffnung, dass die Flugzeuge mit Fracht zurückkommen. Form perfekt, Funktion null. Genau das passiert mit Agilität, wenn Teams die Praktiken übernehmen, aber nicht das Mindset dahinter. Diese Folge zeigt, wie man das erkennt und was dagegen hilft.

Zusammenfassung

Cargo Cult Agility bedeutet: Es sieht agil aus, ist es aber nicht. Typische Symptome sind Rituale ohne Zweck, etwa das Daily, das nur ein Status-Reporting an den Chef ist, Wasserfall im Scrum-Gewand und das Festhalten an Kontrolle statt echter Selbstorganisation. Der gefährlichste Reflex ist, Output mit Outcome zu verwechseln: Viele geschlossene Tickets bedeuten nicht automatisch Wert. Die Ursache ist selten böser Wille, sondern Bequemlichkeit. Rituale lassen sich anordnen, ein verändertes Mindset nicht. Der Ausweg ist eine einzige ehrliche Frage zu jedem Ritual: Wozu machen wir das eigentlich? Kommt keine gute Antwort, ist es ein Ritual ohne Seele.

Shownotes

  • Du erreichst mich hier
  • Diese Folge ist Teil einer Serie "No Bullshit Agile Kompakt". Eine Übersicht über alle Folgen findest du hier
  • Mein Buch "Agiles Arbeiten in der Praxis": hier
  • Die ausführliche Folge zum Thema (NBA65): hier
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Transkript

 Hallo und herzlich willkommen bei NoBullshit Agile Compact. Mein Name ist Thomas.
 In der letzten Folge habe ich über den agilen Eisberg gesprochen.
 Wenn dich das interessiert, hör da gerne mal rein.
 Den Link und alle weiteren Links findest du in den Shownotes.
 Diese Folge stieß praktisch nahtlos an die letzte Folge an, denn es geht um Cargo-Kult.
 Erkennt das vielleicht? Viele Teams kopieren eigentlich nur Rituale.
 Das ist das Thema vom Eisberg tatsächlich auch gewesen.
 Also Dailies, es gibt Boards, es gibt Backlogs und trotzdem verstehen sie das, warum dahinter nicht.
 Meistens verhindert die Organisation oder das System, das sind gar nicht die Leute, die das nicht wollen,
 sondern eher die Organisation, die dahinter steht.
 Was heißt jetzt Cargo-Kult?
 Es gibt tatsächlich, ich verlinke auch den Wikipedia-Artikel dazu,
 Inselwohner, die nach dem Zweiten Weltkrieg angefangen haben,
 Landebahn, Tower, Kopfhörer, also Artefakte, sag ich mal, nachzubauen,
 weil sie gedacht haben, dann kommen die Flugzeuge mit der Fracht zurück.
 Also sie ahmen die Form perfekt nach, sie verstehen aber nicht den Hintergrund und deswegen gibt es diesen Begriff von Cargo-Kult Agile.
 Ja und wenn sowas passiert, dann ist es natürlich schwierig, weil dann eben das Versprechen von agilen Arbeit nicht eingelöst wird.
 Wenn ich nur Rituale durchführe, ohne zu verstehen, warum tue ich sie und was soll das Outcome sein,
 kann das arme agile Arbeiten gar nichts dafür, dass alle sagen, das funktioniert nicht,
 sondern es liegt eben daran, dass keiner die Frage stellt, warum tun wir das?
 Und das wäre tatsächlich auch meine größte Empfehlung.
 Überlegt euch gerne mal, alles was ihr so macht rund um agiles Arbeiten, verändert das eure Arbeit?
 Hat das wirklich einen Einfluss da drauf?
 Wenn die Antwort ziemlich oft Nein ist, habt ihr eigentlich schon mal einen ganz schönen Ansatzpunkt,
 um zu gucken, okay, warum machen wir dies, warum machen wir ein Daily,
 wofür ist das gedacht, was soll dabei rauskommen und was kommt bei uns raus?
 Ja, es gibt so ein paar Symptome, die ich mir aufgeschrieben habe,
 woran man eigentlich ganz gut erkennt, ob ihr eher in diesem Bereich Cargo-Kult seid.
 Also, schönstes Beispiel, fällt jedem wahrscheinlich sofort ein,
 das Daily ist eher so ein Status-Report.
 Jeder erzählt was und es geht eigentlich nicht darum,
 alle anderen zu informieren, um eine Story fertig zu bekommen zum Beispiel,
 sondern es geht nur darum, ich muss jetzt was sagen,
 ich sage solche Dinge, dass alle anderen denken,
 wow, der war super produktiv oder sie.
 Manchmal gibt es ein Reporting an den Chef oder so,
 ja, dann ist das Daily halt nicht in dem Sinne durchgeführt,
 wie es eigentlich sein soll.
 Das Daily soll ja dafür da sein, dass ihr euch austauscht,
 damit die wichtigste Story fertig wird für die Scrum-Leute,
 damit das Sprintziel erreicht wird.
 Ich werde da ein bisschen tiefer übrigens in der Folge 30 drauf eingehen.
 Oft liest man darüber, dass Scrum eher so ein Wasserfall wird.
 Das wird durchgeplant, vorgeplant, von vorne bis hinten
 und es gibt gar keine echte Anpassung aufgrund eines Feedbacks.
 Also ihr released etwas und das Feedback dieser Iteration hat überhaupt keinen Einfluss
 oder sehr wenig Einfluss auf das, was ihr im nächsten und im übernächsten Sprint macht.
 Das ist auch so ein schönes Zeichen, so ein schönes Symptom,
 dass ihr vielleicht eher so bei Cargo Kult seid.
 Ja, und noch ein Symptom, es gibt viel mehr,
 ich will gar nicht alle aufzählen, die mir so eingefallen sind.
 Wenn es bei euch mehr um Output statt um Outcome geht,
 also ihr misst super viel sowas wie, wie viele Tickets haben wir geschafft,
 wie viele Story Points haben wir geschafft
 und es geht gar nicht darum, wie viel Wert haben wir wirklich erzeugt.
 Das Increment, was wir released haben, wie wertvoll war das,
 wie gut hat das funktioniert,
 was habt ihr gedacht, wie es funktioniert
 und was ist jetzt das Feedback?
 Also Output ist wichtig, nicht Outcome.
 Tja, warum passiert das?
 Naja, es ist ziemlich einfach, so eine Rituale nachzuahmen.
 Das braucht auch Effort, natürlich,
 aber wenn man nicht lange überlegen muss,
 warum tue ich das und was ist das erwartete Outcome von zum Beispiel einem Ritual,
 ja, dann ist es halt deutlich einfacher,
 einfach das Ritual durchzuführen und zu sagen,
 so, alles klar, wir haben eine Retro, das muss man machen,
 super, wir sind agil.
 Der Ausweg ist eigentlich auch ziemlich klar,
 das hatte ich ganz am Anfang schon gesagt.
 Nutzt gerne diese Frage, wozu machen wir das eigentlich?
 Was ist unsere Erwartung?
 Warum haben wir dieses Ritual, diese Methode, dieses Board,
 diese Definition of Done?
 Wenn ihr diese Frage stellt, wozu,
 dann kommt ihr eigentlich schon gut ins Gespräch
 und kommt sicherlich einen guten Schritt weiter,
 in einer Kultur, wo solche Fragen auch, ja, gewünscht sind, ne?
 Ja, also agil aussehen und agil arbeiten,
 das können einfach zwei verschiedene Dinge sein, ne?
 Und der Unterschied, der liegt in dem Zweck und nicht in der Zeremonie.
 Und deswegen, ja, diese Frage halt.
 Und ja, das soll es eigentlich auch schon gewesen sein.
 Wir verlassen dann jetzt tatsächlich so ein bisschen die Theorie in NBA Compact
 und wir kommen in der nächsten Folge dann dazu,
 dass wir uns so einen ökonomischen Blick mal nehmen.
 Ich werde darüber reden,
 warum das Agile Manifest im Kern eigentlich eine ökonomische Strategie ist.
 Ja, und das sollte es tatsächlich auch schon gewesen sein.
 Ich hoffe, dir hat das gefallen.
 Ich freue mich wie immer über Feedback,
 auch gerne kritisches Feedback.
 Und ich wünsche dir eine ganz tolle Woche
 und wir hören uns beim nächsten Mal.
 Ciao, ciao.

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