NBAK02: Das Agile Manifest - Immer noch die Basis

Das Agile Manifest ist 25 Jahre alt und passt auf eine halbe Seite. Trotzdem kennen es die meisten nicht, die „agil arbeiten". In dieser Folge gehe ich die vier Werte durch und stelle die Frage: Brauchen wir wirklich mehr als das Manifest?

Überblick

2001 trafen sich 17 Leute in einem Ski-Resort in Utah. Das Ergebnis: vier Werte und zwölf Prinzipien, die auf eine halbe Seite passen. 25 Jahre später kennen die meisten eher den Scrum Guide als dieses Fundament. In dieser Folge erkläre ich die vier Werte kurz und knackig, frage warum so wenige Praktiker das Manifest wirklich kennen, und stelle die provokante These auf: Es reicht eigentlich, nur das Manifest zu verstehen.

Zusammenfassung

Das Agile Manifest fasst agiles Arbeiten in vier Werte zusammen: Menschen über Prozesse, funktionierende Software über Dokumentation, Kundenzusammenarbeit über Verträge, und Reagieren auf Veränderung über starre Pläne. Die rechte Seite ist nicht unwichtig – die linke ist nur wichtiger. Das Problem: Viele Teams arbeiten mit Scrum oder Kanban, ohne das Manifest je gelesen zu haben. Frameworks verdecken das Fundament. Dabei wurde das Manifest als ökonomische Strategie geschrieben – schneller Wert für Kunden, nicht bessere Arbeitskultur. Die gute Kultur ist ein Nebeneffekt. Wer die vier Werte und zwölf Prinzipien versteht und lebt, braucht im Grunde kein Framework.

Shownotes

Transkript

 Hallo und herzlich willkommen bei NoBullshitAgileKompakt. Mein Name ist Thomas.
 In der letzten Folge habe ich hier über einen meiner Lieblingssätze gesprochen, nämlich
 gute Software schnell liefern. Hör da gerne mal rein, wenn dich das interessiert.
 Heute soll es tatsächlich, wie du im Titel wahrscheinlich schon gesehen hast, um das Agile Manifest gehen.
 Und stell dir mal selber die Frage, wann hast du das Agile Manifest das letzte Mal gelesen?
 Nicht, wann hast du das letzte Mal von gehört, sondern wann hast du es dir bewusst angeguckt?
 Und ich vermute einfach, die meisten von euch kennen wahrscheinlich den Scrum Guide und die
 kennen ihn wahrscheinlich besser als das Agile Manifest. Und für mich ist es so, dass das
 Manifest halt heute noch gilt und dass es einfach eine gute Basis ist, um über agiles Arbeiten
 im Team zum Beispiel mal zu sprechen. Vielleicht kurz das Setting nochmal erklärt, woher kommt das
 Agile Manifest? Wann ist es entstanden? Also, es gab ja so eine Bewegung aus dem klassischen,
 der klassischen Softwareentwicklung, Wasserfallmodell.
 Haben viele Leute schon erkannt, irgendwie funktioniert das so nicht in Softwareprojekten.
 Und es gab, bevor es das Agile Manifest gab, XP, Extreme Programming, es gab tatsächlich auch
 schon Scrum. Und irgendwann mal 2001 haben sich so ein paar Vordenker in Utah tatsächlich in
 so einem Skiresort getroffen. Die haben gesagt, ey, lass uns mal zusammensetzen und gucken, ob wir
 Gemeinsamkeiten finden, ob wir irgendeine Art finden, zu kommunizieren, was wir eigentlich sagen
 wollen mit unseren Methoden, die wir vielleicht sogar schon benutzen. Und daraus entstanden, ist eine ganz
 interessante Geschichte, ist dann eben schlussendlich das Agile Manifest. Und das Manifest zeichnet
 meiner Meinung nach eben aus, dass es so kurz und knackig ist. Schlussendlich stehen da halt vier Werte.
 Und ich will die gerne einmal kurz durchgehen und würde dich einfach bitten, dies sie doch auch nochmal
 in Ruhe durch. Ich mache das hier natürlich auf Deutsch. Der erste Wert, der da steht, lautet
 Individuen und Interaktion über Prozesse und Werkzeuge. Wichtig ist wirklich diese Formulierung
 über. Also jedes Mal die Formulierung links steht was und das geht über das, was rechts steht. Das
 bedeutet eben nicht, rechts ignorieren. In diesem Fall eben Individuen und Interaktionen sind
 wichtiger, gehen über Prozesse und Werkzeuge. Das bedeutet, wir wollen uns nicht hinter einem
 Prozess verstecken, sondern wir wollen direkt miteinander reden. Wir wollen nicht stur uns an
 Tools festhalten. Welches Tool fällt mir jetzt sofort ein? Dir vielleicht auch? Jira. Jira hat ein
 Verständnis von agilen Arbeiten, das an manchen Stellen vielleicht richtig ist, aber an vielen einfach
 nicht. Und es wäre fatal zu sagen, aber Jira macht das so und deswegen geht hier Diskussionen an der
 Stelle abbrechen. Genau, das ist das erste. Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge.
 Das zweite lautet funktionierende Software über umfassende Dokumentation. Hier geht es eben darum zu sagen,
 okay, was wollen wir eigentlich liefern? Was schafft denn Wert? Das ist eben ein Inkrement aus der
 Software, ein Wert, der das Produkt ein Stück besser macht. Und natürlich ist Dokumentation auch ein
 wichtiges Ding, aber es ist wichtiger, ein Stück Software in Produktion zu bringen. Ihr seht an diesen beiden
 und auch an den nächsten beiden Werten schon, woher die kommen, warum das so aufgeschrieben wurde. Wie
 gesagt, kurzer Reminder, wir sind so 2001 und es gibt schon länger, 10 Jahre, 15 Jahre erste Ansätze zu
 versuchen, agiler zu werden, ohne dass das Wort so schon bekannt ist. Und in dieser Zeit davor war es eben
 so, dass super viel vorgegeben wurde, weil die Idee war, wenn man alles definiert und alles vorgibt, dann kann
 ja hinten nur noch das Richtige rauskommen. Und heute wissen wir eben ja, das funktioniert so nicht. Das wussten
 die halt damals, Gänsefüßchen, auch schon. Und deswegen, eine Dokumentation ist eine schöne Sache, aber viel
 wichtiger ist es ja, funktionierende Software zu schaffen. Projekte waren damals oft, oft, oft so, dass sie gar nicht aus der
 Phase der Planung rausgekommen sind, sondern dann schon zum Beispiel so teuer geworden sind, dass man sie
 abgebrochen hat. Und man hat nie richtige Software auf die Straße gekriegt.
 Genau. Der dritte Wert, Zusammenarbeit mit dem Kunden, geht über Vertragsverhandlungen. Also, wir wissen, wir lernen im
 Projekt. Kunden lernen ja auch im Projekt. Und wenn wir denken, das war vor drei Monaten mal sinnvoll, heißt das noch
 lange nicht, dass es heute auch noch sinnvoll ist. Also, wir wollen eigentlich lieber gucken, okay, wir haben so viel
 gelernt, lass uns das mal ein bisschen verändern, egal, was mal im Pflichtenheft stand. Und der vierte Wert, oder ja, der vierte
 Wertepaar ist, reagieren auf Veränderungen geht über Befolgen eines Plans. Das ist ja mein ganz großes Mantra.
 In der agilen Arbeit planen wir permanent. Es gibt nicht den einen Plan und dann sind wir drei Monate weg und halten uns
 an dem Plan oder sechs Monate, sondern eigentlich wollen wir permanent planen. Wir tun das im Daily zum Beispiel, wir tun das
 im Refinement, wir tun das in der Retro. Es gibt so viele Stellen, die eigentlich schon vorgesehen sind für dieses Plan.
 Und das bedeutet eben, wenn man permanent plant, muss man auch bereit sein, einen bestehenden Plan zu verändern
 und auch mal loszulassen.
 Genau. Also, ganz wichtig, das sind eigentlich die Fundamente und meiner Meinung nach gelten die einfach heute auch noch
 nach 25 Jahren. Und ich finde, es ist ein guter Startpunkt, darüber zu diskutieren.
 Wenn ihr mal in einem Team an einem bestimmten Punkt seid und euch nicht sicher seid, also ich hatte ja vorhin dieses Jira-Beispiel,
 schaut doch einfach mal ins Agile Manifest. Das gilt meiner Meinung nach heute auch noch.
 Ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass es keiner mehr so richtig kennt, weil das so verdeckt ist von Tools und Methoden,
 die oben drauf sind. Also die Methode Scrum. Ich will jetzt nicht Scrum angreifen, aber die Leute kennen mehr den Scrum Guide,
 als sie das Agile Manifest kennen. Und ja, wie gesagt, Toolings, dass wir so haben, Diskussionen, die wir führen,
 gehen meistens gar nicht so richtig runter auf das Fundament.
 Und wenn man das Agile Manifest nicht kennt, dann ist das eigentlich ein ganz guter Nährboden für das, was man so Cargo-Kult agil nennt.
 Also man armt etwas nach. Agil in diesem Fall.
 Da gehe ich übrigens in der Folge 6 noch mal ein bisschen genauer drauf ein.
 Ansonsten habe ich noch tatsächlich mal mir Gedanken gemacht, was waren das für Leute, die da zusammengesessen haben und in welcher Situation waren die?
 Und dazu habe ich so ein kleines Gedankenexperiment.
 Was ist denn, wenn das Agile Manifest eine ökonomische Strategie ist, wenn es gar nicht darum geht, dass wir ein gutes Arbeitsumfeld haben?
 Da werde ich in der Folge 7 drüber sprechen.
 Und ja, kurz und knapp, das ist ja genau die Philosophie hier hinter No Bullshit Agile Compact, soll es das auch schon gewesen sein.
 Wie immer freue ich mich auf ein Feedback, wie immer freue ich mich auf eine angeregte Diskussion auf Mastodon.
 Ihr findet Links in den Shownotes, wie ihr mich erreichen könnt, schaut da gerne rein.
 Und ansonsten sage ich, habt noch eine ganz tolle Woche und bis zum nächsten Mal.

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