NBAK05: Der agile Eisberg

Scrum, Daily, Retro: Das ist die Spitze des agilen Eisbergs. Was darunter liegt, entscheidet darüber, ob agiles Arbeiten wirklich funktioniert oder nur wie agiles Arbeiten aussieht. Ich erkläre die vier Säulen, die jedes agile Setup braucht, und die meisten ignorieren.

Überblick

Wer Scrum einführt und glaubt, damit agil zu sein, betreibt mechanische Agilität – Cargo-Kult. Man imitiert die Rituale, weil sie bei anderen funktionieren, ohne die dahinterliegenden Prinzipien zu verstehen. Der eigentliche Hebel liegt unter der Wasseroberfläche: Mindset, Kultur, technische Exzellenz und echte Kollaboration.

Zusammenfassung

Die Spitze des Eisbergs – Scrum, Daily, Retro, Product Owner – ist sichtbar und einfach einzuführen. Deshalb setzen Organisationen sie mit "Agilität" gleich. Das ist ein Fehler. Echtes agiles Arbeiten braucht vier Fundamente:

  • (1) Denkweisen und Prinzipien: Agiles Manifest, Servant Leadership, Vertrauen
  • (2) Kultur und Organisation: Fehlerkultur, lernende Organisation, offene Kommunikation
  • (3) Technische Exzellenz: inkrementelle Entwicklung, TDD, CI/CD
  • (4) Echte Kollaboration: Pair Programming, permanente Kundenbeteiligung.

Wer nur die Spitze optimiert, bekommt Rituale ohne Seele – und wundert sich, warum "Scrum bei uns nicht funktioniert".

Shownotes

  • Du erreichst mich hier
  • Diese Folge ist Teil einer Serie "No Bullshit Agile Kompakt". Eine Übersicht über alle Folgen findest du hier
  • Grafik "Agiler Eisberg" als PDF: Download
  • Ausführliche Podcast-Folge zum Thema: NBA49 – Der agile Eisberg

Transkript

 Hallo und herzlich willkommen bei NoBudgetAgileKompakt. Mein Name ist Thomas.
 In der letzten Folge habe ich darüber gesprochen, warum Mindset vor Methode geht.
 Wenn dich das interessiert, hör da gerne rein, den Link und alle weiteren Links findest du in den Shownotes.
 Heute will ich ein Bild beschreiben, den agilen Eisberg und ein bisschen darüber sprechen,
 was so an der Oberfläche ist, was jeder sieht, was jeder sich unter agilem Arbeiten vorstellt
 und was eigentlich darunter ist, viel mehr ausmacht und trotzdem verdeckt ist und viele einfach auch nicht sehen.
 Und ja, meiner Meinung nach entstehen daraus halt viele Probleme.
 Und ich würde sagen, genau damit steigen wir auch mal ein.
 Was wir alle sehen, ist sowas wie ein Scrum, ein Daily, eine Retro, ein Product Owner, ein Scrum Master.
 Es gibt Boards, es gibt Backlogs und Story Points.
 Und das ist halt schön sichtbar und einfach, wenn wir auf den Scrum Guide gucken,
 sage ich ja auch gerne immer wieder, das ist ein schönes Playbook.
 Da sieht man eben genau, was man tun muss, führ diese Rollen ein, mach diese Rituale und dann bist du agil.
 Und tatsächlich ist genau das mir passiert, schon ein bisschen länger her,
 aber ich war mal der festen Überzeugung, als wir Scrum eingeführt haben,
 okay, wir müssen uns da voll dran halten und dann sind wir agil.
 Da ist es natürlich mit meinem heutigen Wissen klar, dass das nicht funktionieren kann.
 Es zeigt aber, wie leicht man in diese Falle tappt und ich kann das auch nachvollziehen,
 dass man in diese Falle tappt.
 Wie gesagt, das ist sichtbar, das ist einfach zu greifen, das ist einfach einzuführen
 und das lässt sich auch ziemlich schnell mit agilem Arbeiten gleichsetzen.
 Und das Resultat ist dann mechanisches agiles Arbeiten oder mechanische Agilität.
 Wir haben Rituale ohne ein Verständnis, wir kommen ganz schnell in so ein Cargo-Kult.
 Apropos Cargo-Kult, was ist das?
 Darum wird es in der nächsten Folge gehen.
 Ja, wir imitieren halt einfach Praktiken, weil sie bei anderen ja zu funktionieren scheinen.
 Also wir wissen halt einfach oder wir denken, wir wissen, okay, wir führen das so ein,
 das funktioniert bei anderen, also sind wir dann agil.
 Und dann haben wir Symptome, die man ziemlich schnell sieht, wenn man mal ein paar Blog-Beiträge
 oder auf Mastodon was liest, stellt man das auch immer wieder fest.
 Viele Probleme von denen, wo Leute drüber meckern, kann man genau an diesen Symptomen festmachen.
 Das Daily ist auf einmal ein Status-Report, wir haben einen klassischen Wasserfall, es wird durchgeplant.
 Es gibt diese schöne Geschichte, die man mal jemand erzählt hat, wo aufgrund von der Velocity
 im Prinzip in der Excel-Tabelle ein ganzes Jahr geplant wurde.
 Okay, dann schafft ihr ja, über das Jahr gesehen, in all euren Sprints folgendes.
 Das ist Wasserfall.
 Teams werden aufgrund von Velocity verglichen und nicht nach Outcome.
 Es gibt doch so blöde Dinge, wie dass Abteilungen auf einmal Squats heißen.
 Also ich meine, ihr kennt das alles.
 Und das liegt daran, an diesem Eisbergbild, dass wir oben Dinge haben über der Wasseroberfläche,
 die sehr klar sind, die jeder benennen kann.
 Aber viel wichtiger ist das, was unter der Oberfläche ist.
 Eisberg bedeutet ja immer, okay, der untere Teil, der Teil, der unter der Wasseroberfläche ist,
 ist deutlich größer, aber versteckt.
 Was ist jetzt unter dieser Oberfläche?
 Das habe ich in vier Punkten zusammengefasst.
 Also da gibt es viele, viele Themen rund um Denkweisen und Prinzipien.
 Also das agile Manifest, Kennen und Leben, Servant Leadership, Vertrauen geben, Transparenz, Empowerment.
 Also Selbstorganisation braucht diesen Platz, braucht das, damit es wachsen kann.
 Der zweite Punkt ist Kultur und Organisation.
 Fehlerkultur ist ein Riesending.
 Viele verstehen Scheitern nicht als Lernchance.
 Wir brauchen sowas wie eine lernende Organisation.
 Wir brauchen offene und ehrliche Kommunikation.
 Wir wollen vielleicht keine zu starren Hierarchien.
 Und das ist alles Kultur und Organisation.
 Der dritte Punkt ist technische Exzellenz.
 Wir wollen inkrementell entwickeln.
 Da brauchen wir eine riesige technische Basis für.
 Ich sage hier TDD als ein Beispiel.
 Wir brauchen eine gute CICD-Pipeline.
 Wir müssen Verständnis davon haben.
 Wir müssen im Prinzip jederzeit Code in Produktion bringen können, ohne Angst davor zu haben.
 Nur dann können wir diesen Feedback-Zyklus starten.
 Und die vierte Säule, die ich habe, ist echte Kollaboration.
 Per- und Mob-Programming fällt einem hier ein.
 Permanente Kundenbeteiligung fällt uns ein.
 Und das halt nicht nur bei Anforderungserhebung, sondern während des gesamten Prozesses,
 während des gesamten Projekts, sage ich jetzt einfach mal.
 Es gibt noch ein paar mehr Punkte in diesem Bild dieses Eisbergs, das ich mal gemalt habe.
 Das siehst du hier übrigens auch als Kapitelcover, falls du da beim Autofahren oder beim Rasenmähen reingucken willst
 und dein Player das unterstützt.
 Wir haben also den offensichtlichen Teil, der jeder von uns benennen kann.
 Aber es gibt noch viel, viel mehr der Teil, der unter der Wasseroberfläche versteckt ist.
 Jetzt kann man sich noch die Frage stellen, warum fokussieren wir uns so stark auf diese Spitze,
 auf das, was man oben sieht.
 Naja, wir sind halt Menschen.
 Und es ist halt einfach, einen Scrum Master einzuführen.
 Es ist viel schwieriger, eine Fehlerkultur aufzubauen.
 Der untere Teil ist deutlich schwieriger und langwieriger als dieser obere.
 Er ist aber nicht optional.
 Er ist das Fundament.
 Und darauf kommt es an.
 Und immer wenn ihr mal was lest oder bei euch selber was feststellt und sagt,
 irgendwie funktioniert das hier alles nicht, kann ich euch nur den Tipp geben,
 guckt mal auf diese vier Säulen, die ich gerade benannt habe und auf diesen unteren Teil.
 Ja, und das soll es eigentlich auch schon gewesen sein.
 Ich finde, der agile Eisberg ist ein schönes Bild, um auch hier wieder im Team mit eurer Organisation
 darüber zu sprechen, warum funktioniert das bei uns nicht.
 Das heißt nicht, agiles Arbeiten funktioniert nicht.
 In der Regel liegt es halt an anderen Dingen.
 Schaut euch das gerne an.
 Wie ich schon gesagt habe, in der nächsten Folge geht es dann um Cargo-Kult.
 Ist also nahtloser Übergang, sage ich mal.
 Und wie ich sonst auch immer sage, ich freue mich super auf jegliches Feedback.
 Ich freue mich sehr auf Kritik.
 Wie ihr mich erreicht, findet ihr in den Shownotes.
 Haltet euch nicht zurück.
 Ihr findet mich auch auf Mastodon.
 Das ist wahrscheinlich der schnellste und direkteste Weg.
 Ansonsten bleibt mir nichts anderes übrig, als zu sagen.
 Habt noch eine ganz tolle Woche.
 Und bis zum nächsten Mal.
 Ciao, ciao.

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