WiP-Limit
Ein WiP-Limit ist eine künstliche Obergrenze für die Anzahl der Aufgaben, die gleichzeitig in einer oder mehreren Spalten in Arbeit sein dürfen. Es erzwingt, Angefangenes zu beenden, bevor Neues begonnen wird.
Geprüft am 2026-08-16 · Thomas Esders · CC BY-SA 4.0
Durch die Work–Feedback Loop betrachtet
Ein WiP-Limit macht aus einem Push- ein Pull-System. Neue Arbeit wird erst gezogen, wenn Kapazität frei wird.
Wirksam ist es aber aus einem anderen Grund. Es macht Überlastung sichtbar, und zwar in dem Moment, in dem sie entsteht. Nicht erst, wenn am Quartalsende auffällt, dass zwanzig Dinge halbfertig sind.
Damit ist ein WiP-Limit weniger eine Regel als ein Messinstrument, das wehtut. Genau darin liegt sein Wert. Ein System, das seine eigene Überlastung nicht bemerkt, kann sie auch nicht abstellen. Durch die Work–Feedback Loop gelesen: Das Limit verkürzt die Zeit zwischen der Überlastung und dem Moment, in dem ihr davon erfahrt.
Häufiges Missverständnis
Ein WiP-Limit ist keine Bestrafung. Es begrenzt nicht, wie viel ihr leistet, sondern wie viel gleichzeitig offen sein darf. Wer das verwechselt, erlebt es als Gängelung, obwohl es vor genau der Überlastung schützt, die eure Arbeit langsam macht.
Der zweite Fehler ist subtiler. Du setzt das Limit so hoch, dass es nie greift. Dann misst es nichts und verändert nichts. Es steht als Zahl auf dem Board und ist Dekoration.
Und noch etwas: Ein WiP-Limit macht niemanden schneller. Der Durchsatz steigt, weil weniger parallel liegen bleibt. Nicht, weil jemand hastiger arbeitet.
Was das in der Praxis heißt
Die richtige Zahl kannst du nicht ausrechnen. Nur herantasten. Ein brauchbarer Anfang liegt knapp unter dem, was heute ohnehin parallel läuft: Wenn bei euch im Schnitt 8 Aufgaben offen sind, fangt mit 6 an. Hoch genug, dass nichts stehenbleibt. Niedrig genug, dass es spürbar wird.
Entscheidend ist der Moment, in dem das Limit greift. Es ist erreicht, jemand hat Kapazität, und trotzdem darf nichts Neues angefangen werden. Das ist kein Fehler. Das ist der Zweck. In diesem Moment wird die Frage unausweichlich, warum das Angefangene nicht fertig wird.
Wer stattdessen das Limit anhebt, hat die Frage weggeräumt statt beantwortet.
Ein Limit gilt außerdem nie für eine Person, sondern für eine Spalte oder das ganze Board. Persönliche Limits verschieben das Problem nur an eine andere Stelle, weil die Arbeit dann eben vor einem Menschen wartet statt vor einer Spalte und niemand mehr sieht, wo der Stau tatsächlich entsteht.
Verwandte Begriffe
- Wirkt aufCycle Time – wird durch ein WiP-Limit kürzer und vorhersagbarer
- Wirkt aufLittle's Law – erklärt, warum ein WiP-Limit rechnerisch wirkt
- Wirkt aufBoard – macht sichtbar, wo die begrenzte Arbeit gerade steht
- OberbegriffKanban – die Methode, aus der das Limit stammt
- Siehe auchWork in Progress – die Menge, die begrenzt wird