12 Agile Prinzipien
Die zwölf agilen Prinzipien konkretisieren die vier Werte des agilen Manifests. Sie sind der Teil, mit dem sich im Alltag arbeiten lässt, weil sie beschreiben, woran man die Werte erkennt.
Geprüft am 2026-08-16 · Thomas Esders · CC BY-SA 4.0
Die zwölf Prinzipien im Wortlaut
- Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Software zufriedenzustellen.
- Heiße Anforderungsänderungen selbst spät in der Entwicklung willkommen. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden.
- Liefere funktionierende Software regelmäßig innerhalb weniger Wochen oder Monate und bevorzuge dabei die kürzere Zeitspanne.
- Fachexperten und Entwickler müssen während des Projekts täglich zusammenarbeiten.
- Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen, und vertraue darauf, dass sie ihre Aufgaben erledigen.
- Die effizienteste und effektivste Methode, Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu übermitteln, ist im Gespräch von Angesicht zu Angesicht.
- Funktionierende Software ist das wichtigste Fortschrittsmaß.
- Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer sollten ein gleichmäßiges Tempo auf unbegrenzte Zeit halten können.
- Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und gutes Design fördert Agilität.
- Einfachheit, die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren, ist essenziell.
- Die besten Architekturen, Anforderungen und Entwürfe entstehen durch selbstorganisierte Teams.
- In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team, wie es effektiver werden kann, und passt sein Verhalten entsprechend an.
Durch die Work–Feedback Loop betrachtet
Die Werte sagen, was schwerer wiegt. Die Prinzipien sagen, was das praktisch heißt.
Ihr Zweck war von Anfang an, das Manifest greifbarer und im Alltag anwendbar zu machen, und genau darin liegt ihr Nutzen für eine Bestandsaufnahme. Ein Wert lässt sich schwer prüfen. Ein Prinzip schon: Frühe und kontinuierliche Auslieferung ist entweder da oder nicht, und wer wissen will, ob sie bei ihm gilt, muss nur nachsehen, wann zuletzt etwas beim Kunden angekommen ist.
Auffällig ist, wie viele der zwölf von Rückkopplung handeln, ohne das Wort zu benutzen. Frühe Auslieferung, willkommene Änderungen, kurze Abstände, tägliche Zusammenarbeit, regelmäßige Reflexion: Das sind fünf Beschreibungen derselben Sache, nämlich die Zeit zwischen Arbeit und Rückmeldung kurz zu halten.
Zwei fallen aus dem Rahmen und werden deshalb am häufigsten übergangen. Nummer 9 verlangt technische Exzellenz, Nummer 10 Einfachheit. Beide sind unbequem, weil sie nicht durch ein Meeting zu erfüllen sind.
Häufiges Missverständnis
Die zwölf werden gern als Wunschliste gelesen, an der man sich grundsätzlich orientiert. Sie sind aber Prüfkriterien.
Der zweite Fehler ist die Auswahl. Wer sich neun davon heraussucht und die technischen weglässt, hat sich das Modell bequem gemacht: Nummer 9 und 10 verlangen Handwerk und Verzicht, und beides lässt sich nicht delegieren.
Und schließlich stehen sie nicht in Konkurrenz zu einer Methode. Scrum oder Kanban sind Wege, die Prinzipien einzulösen, nicht Alternativen dazu.
Was das in der Praxis heißt
Nimm sie einzeln durch und frag für jedes, woran ihr im Alltag merken würdet, dass es bei euch gilt.
Die Prinzipien, bei denen keine Antwort kommt, sind eure Baustelle. Erfahrungsgemäß sind das nicht die, über die viel geredet wird.
Die ausführliche Einordnung jedes einzelnen Prinzips steht im agilen Manifest und im Buchkapitel dazu.
Verwandte Begriffe
- OberbegriffAgiles Manifest – die vier Werte, die diese zwölf Sätze konkretisieren