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Cargo Cult Agility

Cargo Cult Agility heißt, Rituale nachzuahmen, weil sie bei anderen funktioniert haben, ohne die Prinzipien dahinter zu verstehen. Die Form stimmt, die Funktion fehlt. Von den drei Härtegraden ist es der harmloseste, weil es ernst gemeint ist.

Geprüft am 2026-08-16 · Thomas Esders · CC BY-SA 4.0

Durch die Work–Feedback Loop betrachtet

Der Name kommt von einer wahren Geschichte. Nach dem Krieg bauten Inselbewohner Landebahnen und Tower aus Holz nach, in der Hoffnung, dass die Flugzeuge mit der Fracht zurückkehren. Die Form war perfekt. Die Flugzeuge kamen nicht.

Das Muster überträgt sich ohne Verlust. Ein Team sieht, dass ein anderes Team mit Daily, Sprint und Retro erfolgreich ist, und übernimmt Daily, Sprint und Retro. Was es nicht übernehmen kann, weil es unsichtbar ist, sind die Entscheidungen dahinter: warum dieser Takt, warum diese Runde, was das lösen sollte.

Durch die Work–Feedback Loop gelesen ist Cargo Cult ein System, das die Rituale eines lernenden Systems trägt, ohne dessen Kopplung zu haben. Die Retro findet statt, aber es gibt keinen Mechanismus, der aus ihr eine Veränderung macht. Das Daily synchronisiert nichts, weil niemand voneinander abhängt.

Die Rituale sind nicht das Problem. Sie sind die Spur, die ein funktionierendes System hinterlassen hat, und wer eine Spur nachbaut, bekommt davon weder den Weg noch das Ziel, sondern nur den Abdruck von etwas, das anderswo gelaufen ist.

Häufiges Missverständnis

Cargo Cult wird als Vorwurf benutzt. Das ist er nicht.

Die beiden härteren Fälle sehen von außen genauso aus. Fake Agile heißt, dass die Frage nach dem Warum nie gestellt wurde. Bei Dark Agile dient die Methode mit Absicht als Deckmantel. Die ganze Reihe und ihre Trennlinien stehen bei Fake Agile.

Die Gutgläubigkeit ist das Merkmal. Wer im Cargo Cult steckt, täuscht niemanden, am wenigsten sich selbst. Er hat gesehen, dass etwas funktioniert, und macht es nach. Das ist eine vernünftige Reaktion auf eine Situation, in der man das Prinzip nicht kennt.

Der zweite Fehler ist die Gleichsetzung mit Fake Agile. Mehrere deutsche Quellen behandeln beide als dasselbe Wort. Sie sind es nicht: Cargo Cult beschreibt eine Nachahmung ohne Verständnis, Fake Agile eine Einführung ohne Frage nach dem Zweck. Im ersten Fall hat jemand hingesehen und das Falsche kopiert. Im zweiten hat niemand hingesehen.

Was das in der Praxis heißt

Die Probe ist unangenehm einfach. Nimm ein Ritual, das bei euch läuft, und frag: Was wäre anders, wenn wir es weglassen?

Wenn die Antwort lautet, dass niemand mehr wüsste, woran die anderen arbeiten, ist das Daily eine Kopplung. Wenn die Antwort lautet, dass eine halbe Stunde frei wäre, ist es Fracht aus Holz.

Mach das für alle 4 oder 5 Rituale, die ihr habt, und zähl, bei wie vielen die zweite Antwort kommt.

Was daraus folgt, ist nicht, die Rituale abzuschaffen. Es ist, das Prinzip nachzuholen, das sie tragen sollten. Ein Daily ohne gegenseitige Abhängigkeit braucht keinen besseren Ablauf, sondern eine Arbeitsteilung, in der Abhängigkeit überhaupt entsteht.

Von den drei Härtegraden ist Cargo Cult der Zustand, aus dem der Weg am kürzesten ist, weil hier niemand etwas verbergen will und die einzige Lücke im Verständnis liegt.

Verständnis lässt sich nachliefern.

Verwandte Begriffe

  • GegenstückFake Agile – der härtere Grad: die Hülle ohne die Frage nach dem Warum
  • GegenstückDark Agile – der härteste Grad: dieselbe Fassade, aber mit Absicht
  • Siehe auchAgiler Eisberg – das Bild dazu, was unter der nachgebauten Spitze fehlt
  • Siehe auchPost-Agile – die Debatte, die aus unabgeschlossenem Lernen entsteht