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Fake Agile

Fake Agile heißt, dass eine agile Methode eingeführt wird, ohne dass jemand die Frage nach dem Warum gestellt hat. Die Rituale laufen, das Fundament fehlt. Anders als bei Dark Agile steckt keine Absicht dahinter, sondern ein Missverständnis darüber, was agiles Arbeiten lösen soll.

Geprüft am 2026-08-16 · Thomas Esders · CC BY-SA 4.0

Durch die Work–Feedback Loop betrachtet

Fake Agile ist kein Vorwurf an das Team. Es ist ein Befund über die Einführung.

Der Verlauf ist fast immer derselbe. Jemand entscheidet, dass das Unternehmen agil werden soll, und weil Scrum wie eine Einstiegsdroge wirkt, greift man dorthin: Die Regeln stehen im Guide, die Rollen sind benannt, man kann Montag anfangen. Was fehlt, ist die Frage, welches Problem das lösen soll.

Darin liegt die Zwickmühle von Scrum. Seine Klarheit ist der Grund für seinen Erfolg und zugleich seine größte Last. Du kannst jede Regel des Playbooks befolgen, ohne auch nur ein Stück weit agil zu arbeiten.

Durch die Work–Feedback Loop gelesen ist Fake Agile ein System, das Rituale in hoher Frequenz produziert, aus denen kein Feedback entsteht, das die nächste Arbeit verändert. Das Daily findet statt. Es ändert nichts. Die Retro findet statt, und die Maßnahmen stehen im Protokoll und sonst nirgends.

Die Loop ist nicht langsam. Sie ist offen.

Häufiges Missverständnis

Fake Agile wird mit schlecht gemachtem Scrum verwechselt. Das ist nicht dasselbe. Ein Team kann Scrum handwerklich sauber machen und trotzdem in Fake Agile sitzen, weil die Ebene darüber in Quartalen entscheidet und die Ergebnisse aus dem Sprint dort nie ankommen.

Der zweite Fehler ist die Richtung. Wer „Fake Agile“ sagt, meint meistens das Team, das die Rituale halbherzig durchzieht. Der Begriff beschreibt aber die Einführung, nicht die Ausführung. Das Team hat sich Scrum nicht ausgesucht.

Und dann die Verwechslung mit Dark Agile. Es gibt drei Härtegrade, und von innen fühlen sie sich gleich an. Cargo Cult ist der harmloseste: Da meint es jemand ernst und macht es falsch. Fake Agile heißt, die Hülle wurde eingeführt, ohne dass vorher jemand nach dem Warum gefragt hat. Bei Dark Agile ist es Absicht.

Der Unterschied ist keine Wortklauberei. Er entscheidet, womit du es zu tun hast: mit Unwissen oder mit Interesse. Gegen Unwissen hilft Erklären.

Was das in der Praxis heißt

Die Probe dauert eine halbe Stunde.

Nimm die letzten 3 Retrospektiven und schreib die Maßnahmen heraus, die daraus entstanden sind. Dann zähl, welche davon umgesetzt wurden. Wenn von 12 Maßnahmen 2 erledigt sind, sind das 17 Prozent, und ihr habt kein Retro-Problem. Ihr habt eine offene Loop.

Die zweite Probe ist unangenehmer. Frag im Team, welches Problem Scrum bei euch eigentlich lösen sollte, und frag jeden einzeln, damit nicht der Erste die Antwort für alle setzt. Wenn 3 Leute 3 Antworten geben oder keiner eine hat, wurde die Frage nie gestellt.

Was daraus folgt, ist unspektakulär: zurück zur Basis, bevor die nächste Methode kommt. Das agile Manifest lesen, die 12 Prinzipien durchgehen und für jedes einzelne prüfen, ob es bei euch gilt und woran ihr das im Alltag merken würdet. Zwei Stunden mit einem Ausdruck und einem Stift, kein Workshop.

Fake Agile verschwindet nicht dadurch, dass ihr Scrum besser macht.

Verwandte Begriffe

  • GegenstückDark Agile – dieselbe Fassade, aber mit Absicht errichtet
  • GegenstückCargo Cult Agility – der harmlosere Härtegrad: ernst gemeint und falsch gemacht
  • Siehe auchAgiler Eisberg – das Bild dazu, warum das Kopieren der Spitze nicht trägt
  • Siehe auchAgiles Manifest – die Basis, deren Fehlen Fake Agile ausmacht
  • GegenstückAgile Theater – die einzelne wirkungslose Praktik, nicht die Einführung